Sinnfluencer:innen: Online Aktivismus in Zeiten der Digitalisierung

youcoN 2020

Sinnfluencer:innen:
Online Aktivismus in Zeiten der Digitalisierung

Wie funktionieren Engagement und Aktivismus online? Wie unterscheidet sich das vom Aktivismus auf der Straße? Was sind eigentlich Sinnfluencer:innen und welche Tipps und Tricks für unser eigenes Onlineengagement können wir uns von ihnen abschauen? In einem Onlineworkshop bei der youcoN haben wir diese Fragen näher beleuchtet. Schaut euch hier die Ergebnisse an!

Screenshot eines Videoanrufs, in dem eine Präsentation gezeigt wird mit Aufschrift
Unser Workshop bei der youcoN 2020

Mitte November kamen ca. 250 Jugendliche im Online Space der youcoN für zwei Tage zu einer großen Jugendkonferenz zusammen. Die Organisation youpaN  organisierte Diskussionen, Barcamps, Workshops und einen Hackathon zum Thema Gerecht und Digital? Zukunftsbildung für alle! 

Da dieser Schwerpunkt auch unsere Herzensthemen und Kompetenzbereiche bei MediaMundo umfasst, haben wir uns mit einem interaktiven Workshop an der youcoN beteiligt!

Unsere Bildungsreferentinnen Annika und Nele haben mit den Teilnehmenden über Aktivismus im Netz diskutiert und gemeinsam wichtige Erkennungsmerkmale von Sinnfluencer:innen herausgearbeitet. 

Screenshot eines Videoanrufs, in dem eine Präsentation gezeigt wird mit verschiedenen Tipps für Sinnfluencer:innen

Hier ein paar Eindrücke aus dem Workshop sowie Tipps und Trick zu gelungenen Onlineaktivismus: 

  • Viele “klassische” Influencer:innen posten für finanzielle Mittel, also schalten Werbung. Sie nutzen ihre Reichweite, ihre Marke und Persönlichkeit, um gezielt bei ihren Follower:innen Produkte zu platzieren.
  • Sinnfluencer:innen arbeiten natürlich ähnlich, posten und werben aber nur für Firmen und Produkte, hinten den sie moralisch stehen, also z.B. für nachhaltige, faire Herstellungsweisen. 
  • Es gibt auch Sinnfluencer:innen, die nicht direkt mit Produktsponsoring arbeiten, sondern ihr Netzwerk und ihre Reichweite nutzen, um sich für die “gute Sache” einzusetzen. Auch hier wird z.B. auf Instagram viel mit der typischen visuellen Triggern gearbeitet: Schöne Selfies, oder persönliche Portraits, welche dann mit tiefergehenden Botschaften befüllt werden.

Sinnfluencer:innen auf Instagram, die wir näher betrachtet haben:

  • gutmensch_alex (Klima, Nachhaltigkeit)
  • luisaneubauer (Klimaschutz, Fridays for Future)
  • justinekeptcalmandwentvegan (Veganismus) 
  • rike.schier.volteuropa (Parteiarbeit, Veranstaltungsankündigen)
  • oceanramsey (Meeresschutz)
  • _wastelandrebel_ (Müllvermeidung
  • melaninbasecamp (Antirassissmus im Sport, Empowerment)
  • givingway (Ehrenamtsplattform)

Tipps und Tricks zu gelungenen Online-Aktivismus: 

  • Nähe Herstellen: persönliche Bindung zu den Follower:innen trägt die Message und den guten Zweck weiter! Die Sinnfluencer:innen sind keine Werbeprofis sondern Menschen, die versuchen ihren Follower:innen ähnlich zu sein, das schafft Nähe (“Das ist eine von uns!”) und ermöglicht einen Einblick hinter die Kulissen.
  • Balance finden zwischen persönlichen / ästhetischen Beiträgen und inhaltlichen Post. Oder eine Verbindung von beidem herstellen (siehe Luisa Neubauer) .
  • Work the Algorithm: Kurze Post-Intervalle, häufiges Posten, ideale Zeitfenster ausnutzen (z.B. Instagramposts abends anfertigen) 
  • Potential der mediale Aufmerksamkeit nutzen / Momentum von politischen Ereignissen nutzen! 
  • Einen Call to Action einbauen. Also mit Umfragen, Challenges und konkreten Aufrufen, die Follower:innen zum mitmachen und engagieren anregen.
  • Multimedial arbeiten und die Plattformen spezifisch nutzen: Instagram funktioniert visuell über Bilder und Videos, Facebook über Bilder und Text, Twitter über aktuelle Hashtags, etc. 

Diskussion: “Clicktivism” – Echtes Engagement oder Jagd nach den Likes? 

Screenshot eines Videoanrufs, in dem eine Präsentation gezeigt wird mit verschiedenen Tipps zum Thema

Chancen von Engagement über Soziale Medien: 

  • Die eigenen Netzwerke für gesellschaftspolitische Anliegen oder ein konkretes Projekt nutzen, dass die Welt ein bisschen besser machen kann. 
  • Über Social Media Nähe schaffen und so andere Menschen animieren, sich für ein Projekt oder einen guten Zweck zu engagieren.
  • Durch individuelles Vorleben Menschen und deren Lebenswandel positiv beeinflussen. Das kann eine große Wirkung entfalten! 
  • Eine Community schaffen! Gleichgesinnte bestärken. 
  • Zur (politischen) Meinungsbildung beitragen.
  • Viele Sinnfluencer:innen betrieben ihr Online-Engagement als Job! Gestalten selbst Kampagnen und Aktionen, sind ihr eigener Boss.

Risiken und Nachteile: 

  • Die Glaubwürdigkeit und Authentizität muss bestehen bleiben! Die beworbenen Produkte oder Firmen müssen “wasserdicht” sein und das Engagement widerspiegeln. 
  • Zeitfresser! Abwägungssache: Wieviel Zeit kann und möchte ich für meine Online Kampagne einsetzen? Wieviel Zeit meines Privatlebens möchte ich online verbringen und öffentlich machen? 
  • Aktivismus und Engagement online können ein einsames Pflaster sein: Oft fehlt der Gruppenzusammenhalt z.B. eines Vereins, welcher sich zu gemeinsamen Aktionen trifft. Oder die Dynamik und Bestärkung während einer Demonstration oder anderen Aktionen. 
  • Online Aktivismus durch Posten und Petitionen ersetzt kein echtes Engagement beim demonstrieren auf der Straße, bei der Politik-Mitgestaltung oder bei Boykott- oder Streikaktionen. 
  • Nicht alle Zielgruppen (wie viele Entscheidungsträger:innen oder ältere Menschen) werden online erreicht. 

Fazit

Social Media kann als wertvolles Tool verwendet werden.

Aktivismus und politischer Einsatz im “Offline-Leben” kann sich damit gewinnbringend verbinden.

Sinnfluencer:innen: Online Aktivismus in Zeiten der Digitalisierung

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